Die Potemkinsche Treppe in Odessa

Die Potemkinsche Treppe in Odessa

Die Potemkinsche Treppe - das berühmte Wahrzeichen der Hafenstadt Odessa.

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Ukraine Nachrichten Odessa Potemkinsche Treppe
Die Geschichte der Potemkinsche Treppe in Odessa

Mark Twain sagte einmal: „…eine riesige Flucht steinerner Stufen führte hinunter zum Hafen … Es ist eine prächtige Treppe, und von Weitem wirken die Menschen, die sich hinaufplagen, wie Insekten…” Es geht in dieser Beschreibung um das Wahrzeichen von Odessa – die Potemkinsche Treppe. Sie ist eine der berühmtesten in der Welt. Am Ort, wo sie sich jetzt befindet, war früher eine andere Treppe.

Gebaut aus dem Muschelkalk, führte sie zur türkischen Burg Eni-Dunja. Danach war dort eine Holztreppe mit 220 Stufen. 1837 entschied sich Fürst Woronzow, eine neue Treppe bauen zu lassen. Er wollte seiner wunderschönen Lieblingsehefrau Elisaweta ein Geschenk machen. Vier Jahre wurde die neue Treppe unter der Leitung vom bekannten Architekten und Baumeister Francesco Boffo erbaut. Und so stellt sie seit 1841 eine architektonische Meisterleistung dar und gilt gemeinsam mit dem Opernhaus als Wahrzeichen der Stadt.

Die Potemkinsche Treppe in Odessa

Die Potemkinsche Treppe ist in jeder Hinsicht einzigartig. Wenn man es von der mathematischen Seite betrachtet, so ist sie die größte Treppe der Ukraine. Sie hat insgesamt eine Länge von 142 Metern.

Beeindruckend ist auch ein Spezialeffekt. Wenn man oben steht und nach unten schaut, scheint sie, allen Gesetzen der Optik zuwider, nicht schmaler zu werden. Und das ist keine optische Täuschung. Die Baumeister gaben sich Mühe, die Treppe unten fast zweimal breiter zu bauen als oben. Auf diese Weise entstand ein Verhältnis von 21,7 Metern zu 13,4 Metern. Von unten sind nur die Stufen, von oben nur die Absätze zu finden. Von jeder Stufe kann man das Denkmal und die halbrunden Gebäude gut sehen. Aber nicht nur das überrascht so viele Touristen.

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Das Wahrzeichen der ukrainischen Hafenstadt Odessa

Bei der gleichen Anzahl von Stufen, es sind 192, scheint die Treppe, von oben viel kürzer als von unten zu sein. Wenn Sie es nicht glauben, kommen Sie zur Treppe und überzeugen sich selbst! Zählen Sie die Stufen und denken Sie dabei an die Legende, die in Odessa entstanden ist. Man hat so viele Sünden, wie viel Stufen man beim Zählen vergisst oder umgekehrt zusätzlich nennt.

Übrigens, früher hatte die Treppe 200 Stufen, aber acht sind beim Bau der Primorskajastraße im Jahre 1866 „verlorengegangen“. 192 Stufen bestanden anfangs aus grauem Sandstein, doch mit der Zeit verwitterte der Sandstein, und im Jahre 1933 wurde er durch graurosa Granit ersetzt. Die Treppe ist eine stumme Zeugin wichtiger historischer Ereignisse.

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Alternative für bewegungsfaule Besucher der Stadt

Am Abend des 14. (27.) Juni 1905 ging der aufständische Panzerkreuzer „Knjas Potjomkin-Tawritscheski» auf der Reede von Odessa vor Anker. Die Besatzung des Schiffes erfuhr, dass sich Teile der Bevölkerung gegen Zar und Regierung protestierten. Sie forderten bessere Lebensbedingungen, und die wünschten sich die Matrosen auf dem Schiff auch. Während die Offiziere sehr gut versorgt wurden, mussten sie selbst verdorbenes Fleisch essen.

Als die aufständischen Matrosen den Leichnam des von einem Offizier erschossenen Matrosen Grigori Wakulentschuk, einen der Führer des Aufstands, ans Ufer brachten, kamen die Arbeiter Odessas herbei, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Plötzlich begann jemand zu schreien: „Feuer! Es brennt im Hafen!“ Die Menschen liefen in der sich ausbreitenden Panik auseinander. In diesem Augenblick wurde auf sie geschossen. Hunderte Menschen wurden in dieser Nacht verletzt oder umgebracht.

Der Aufstand auf dem Panzerkreuzer im Schwarzen Meer vor Odessa verbindet die Weltgeschichte mit der Filmgeschichte. Der berühmte Stummfilm, den Sergej Eisenstein darüber drehte, wurde sehr bekannt. Der Film hat fünf Akte, aber fast alle erinnern sich nur an den vierten Akt, in dem ein Kinderwagen fast in Zeitlupe die Stufen der Potemkinsche Treppe hinabrollt.

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Umfangreiche Renovierungsarbeiten im Frühjahr 2017

Die Potemkinsche Treppe faszinierte und inspirierte viele Dichter und Künstler, die mit ihren Arbeiten Leute lockten, nach Odessa zu kommen.

„Es war die Treppe, der magische Augenblick, den  die ukrainische Künstlerin Oksana Kyzymuck-Guizot in ihrem Bild 2011 einfing, der mich veranlasste, diese Stadt, diese Treppe zu erkunden, – erzählt der Bürgermeister der deutschen Stadt Tuttlingen im Interview mit Ukraine-Nachrichten.- Die Treppe habe ich als große Bühne des Lebens kennen und lieben gelernt. Nicht nur der einsame Musiker, den Oxana auf der Treppe mit ihrem Foto in einer fantastischen Art eingefangen hat, hat mich beeindruckt. Auch die Menschen, die die Treppe als Laufsteg des Lebens benutzen, konnte ich stundenlang beobachten und in meinen eigenen Bildern festhalten. Irritiert war ich nur von der 4-spurigen Straße, die die Treppe vom Meer trennt. Hier wünscht man sich einen breiten Überweg und keine enge Unterführung“.

Lesetipp: Das Opernhaus als Prunkstück von Odessa

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