Doppelte Freude – Kultur in Kriegszeiten

Doppelte Freude – Kultur in Kriegszeiten

Ukrainischer Film Shkola nomer 3 gewinnt Großen Preis auf der 67. Berlinale.

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Ukrainischer Film Shkola nomer 3 gewinnt auf 67. Berlinale

Im Februar stand die Kinowelt mal wieder Kopf. Die Oskarverleihung und die Berlinale brachen über uns hinein. Was die Berlinale betrifft, war das nicht nur für Erwachsene ein großes Fest. In der Sektion „Generation“, die in diesem Jahr ihren vierzigsten Geburtstag feiert, liefen Kinder und Jugendfilme. Unter ihnen auch der Dokumentarfilm „Shkola nomer 3“, dessen Regisseure Yelisaveta Smith und Georg Genoux sind. Yelisaveta stammt aus Odessa.

Sie schloss ihr Regiestudium im Jahr 2014 ab. Smiths Kurzfilme wurden auf zahlreichen ukrainischen Festivals gezeigt, und sie nahm an internationalen Workshops und Projekten teil. Georg Genoux kommt aus Deutschland. Seit 2003 organisierte er über 80 Theaterprojekte in Osteuropa. Mit seinen Produktionen war er auf diversen internationalen Festivals zu Gast. Seit 2015 hat Genoux gemeinsam mit Nataliya Vorozhbyt die künstlerische Leitung des Theatre of Displaced People in Kiew inne.

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Der ukrainische Film „Shkola nomer 3“

Yelisaveta und Georg lernten einander im Osten der Ukraine kennen. Alles begann mit einem Theaterprojekt. Später entstand die Idee, einen Film über Jugendliche im Kriegsgebiet zu drehen. Neulich erhielt “Shkola nomer 3“ den Großen Preis für den besten Film in der Sektion „Generation 14plus“ auf der 67. Berlinale.

Der Film zeigt den Alltag von 13 Jugendlichen aus der Stadt Mykolaivka im Donbass. Ihre Schule wurde während des Ukraine-Konflikts zerstört und erst vor kurzem wieder aufgebaut. Die Schüler erzählen von Verlusten, Ängsten, aber auch von ihren Träumen und Hoffnungen. Es ist sehr berührend zu sehen, wie offen die jungen Leute im Film gezeigt werden.

Der ukrainische Kinofilm „Shkola nomer 3“

„Wir vergeben den Grand Prix an einen Film, der sich langsam entfaltete, indem er das Publikum durch Details und persönliche Stellungnahmen aus der Perspektive seiner Protagonisten mit einbezog. Eine Darstellung, die ein weites Maß an Zärtlichkeit, Trauma und sogar Banalität und Humor liefert…

Wir bewundern die Zusammenarbeit zwischen Regisseur, Kamerafrau und Protagonisten und wie sie es schaffen, einen Raum des Vertrauens aufzubauen. Dieser Film lässt dem Narrativ des Krieges keine Überhand gegenüber der emotionalen Welt seiner jungen Charaktere gewinnen, die uns erlauben, Zugang zu den innigsten und intimsten Details ihres Lebens zu erhalten“,- so erklärten die Mitglieder Internationalen Jury der Generation 14plus in Berlin ihre Wahl.

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Bester Film in der Sektion „Generation 14plus“

11 Schüler, die im Film spielten, konnten an der Preisverleihung in Berlin teilnehmen. Yelisaveta musste in der Ukraine bleiben. Sie ist vor kurzem Mutter geworden. „Das war wirklich eine doppelte Freude für mich“, erzählt Yelisaveta Smith im Interview mit Ukraine-Nachrichten. „Ich genoss die ersten Tage mit meinem Kind, als die Nachricht kam, dass unser Film den Grand Prix gewann.

Die Reise nach Deutschland wurde für unsere Jugendlichen ein unvergessliches Erlebnis. Jeden Tag erzählten sie mir über den warmen Empfang in Deutschland. Ich und die jungen Schauspieler wurden inzwischen gute Freunde, wir planen sogar eine gemeinsame Reise in die Karpaten“.

Zurzeit arbeitet die junge Regisseurin an einem neuen Film und hofft auf die Wiedergeburt des ukrainischen Kinos.

Fotos:  Tabor Production | Theatre of Displaced People

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