Gelungene Fake-News sind halt selten

Gelungene Fake-News sind halt selten

Russland, Ukraine und Fake-News - ein leidiges Thema, wie ein Beispiel zeigen soll.

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Ukraine Nachrichten Tesla Fake-News
Eine Analyse der Tesla Fake News

Fake-News machen zurzeit nahezu täglich auf sich aufmerksam – wenn sie als solche erkannt und somit auch verstanden werden. Das ist nicht immer leicht, zumal das Thema Ukraine durchaus komplex ist. Fake News, auch als Falschmeldungen bezeichnet, stammen dabei zumeist aus Russland oder werden von Menschen mit prorussischen Werten verfasst. Es kann aber auch vorkommen, dass oppositionelle Kräfte in der Ukraine gezielt Fake-News platzieren, um der amtierende Regierung Schaden zuzufügen.

Von Einigkeit gegen die Bedrohung im Osten ist in der Ukraine nämlich leider immer noch viel zu wenig zu spüren. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, giert nach Macht und Geld und ist daher nur allzu gerne bereit, Präsident Petro Poroschenko und Premierminister Volodymyr Groysman Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Letztgenannter mahnt solche Verhaltensweise regelmäßig an, erreichen tut er damit bisher wenig. Vor einigen Tagen konnte Groysman berichten, dass man mit dem Automobilkonzern Tesla über die Möglichkeiten eines Produktionsbetriebes in dem osteuropäischen Land sprechen würde. Ukraine-Nachrichten berichtete in einem Artikel zu dem Thema.

Tesla, die weltweite Nummer 1 in Sachen Elektroautos und zugleich mit einer Stahlkraft gesegnet, die sonst nur iPhone-Hersteller Apple erreicht – ja, ein solches Unternehmen in der Ukraine zu haben, das wäre schon was. Sicher, auch Skoda und Daewoo sind dicke Fische, und doch, Tesla wäre halt eine ganz andere Hausnummer. Alleine der Werbeeffekt für den Produktionsstandort Ukraine – einfach herrlich. Die Reaktion erfolgte prompt: Ende der Woche tauchte ein angebliches Schreiben im Internet auf, demzufolge Tesla kein Interesse mehr an Gespräche mit der Ukraine haben würde. Bei näherer Betrachtung eine zweitklassige Fake-News.

Volodymyr Groysman wiegelte auch umgehend ab und ordnete das Schreiben als Falschmeldung ein. Recht so, er muss es immerhin am besten wissen. Auch ukrainische Medien griffen das Thema auf und setzten damit gestern den Diskussionen in den sozialen Netzwerken des Landes ein Ende. Da weder Thema noch Schreiben in der deutschen Presse bekannt sind, greifen wir es hiermit auf und demonstrieren zugleich, wie einfach es doch ist, eine Fake-News als eine solche zu erkennen. Dabei geben wir allerdings gerne zu, dass besagtes Schreiben derart schlecht gemacht ist, dass es wahrlich kein Hexenwerk darstellt, es zu enttarnen.

Ukraine Nachrichten Tesla Fake News

1 Beginnen wir mit einem ersten schneller Eindruck des Schreibens, das uns leider nicht als Original vorliegt. Dennoch fällt binnen einer Sekunde die Anrede „Excellency“ auf, die zweimal verwendet wird. Damit ist der Fake eigentlich schon enttarnt, da es als unwahrscheinlich angesehen werden kann, dass ausgerechnet Tesla in Sache Wortwahl im Mittelalter lebt. „Ihre Exzellenz“, einfach herrlich. Und wunderbar schlecht gemacht. Doch schauen wir uns das Schreiben doch mal etwas genauer an.

2 Das verwendete Englisch ist relativ gut, entspricht jedoch keineswegs einem US-amerikanischen Englisch. „carefully studied your background, considered all the possible risks and…“ das klingt war in Ordnung, ist aber kein gutes Englisch. Ein weiteres Indiz für eine Falschmeldung. „Unfortunately, the level of corruption…“ – das mag zwar inhaltlich richtig sein, doch würde ein US-Unternehmen von der Größe Teslas so etwas niemals schreiben. So geht es munter weiter, auch der Passus „Best wishes for a successful….“ klingt arg holperig.

3 Als erstes Fazit kann festgehalten werden, dass das Schreiben sicherlich nicht von einem US-Amerikaner abgefasst wurde. Machen wir weiter: Eine Sarah O’Brien gibt es im Hause Tesla wirklich. Die Dame hat laut LinkedIn in der Vergangenheit in der PR-Abteilung von Apple gearbeitet und ist dann zu Tesla gewechselt. Dort ist sie zurzeit „Sr. Director of Communication“. Womit wir ein weiteres Indiz haben: Ein Schreiben dieser Art würde vermutlich von der Geschäftsleitung, aber ganz sicherlich nicht von einer Unternehmenssprecherin unterzeichnet werden.

Würden wir das Schreiben als Original vorliegen haben, könnten wir auch Angaben zu Papier, Drucker und Schriftfont machen. Der Zeichensatz zumindest sieht nicht so aus, wie auf vergleichbaren im Internet veröffentlichten Schreiben des Unternehmens. Auch der Stempel bzw. der Strichcode wäre sicherlich eine nähere Betrachtung wert, doch auch so kann festgehalten werden, dass die angebliche Absage von Tesla an die Ukraine eine Fake-News ist. Von wem sie verfasst wurde? Wie immer stellt sch die Frage, wem es nützen würde, die Ukraine beziehungsweise die aktuelle Regierung in Misskredit zu bringen. Russland? Ganz bestimmt. Oppositionellen Kräften in der Ukraine? Leider ebenfalls, was eine eindeutige Zuordnung ohne oben genannte Untersuchungen des Originals unmöglich macht.

Als Fazit darf ich mir als Herausgeber eine Wertung erlauben. Ich habe bereits so einige Fake-News aus Russland gesehen – man könnte das Thema als Hobby von mir bezeichnen – doch selten eine Falschmeldung, die derart schlecht war. Eine perfekte Lüge, und um nichts anderes handelt es sich bei Fake-News als Mittel des Hybridkrieges ja, ist inhaltlich von der Wahrheit kaum zu unterscheiden. Dreht die Aussage nur halt komplett ins Gegenteil.

Das angebliche Tesla-Schreiben ist lieblos gemacht, normalerweise geht Russland perfider, perfekter vor. Ich tippe daher darauf, dass die Meldung nicht aus Russland stammt. Die Ukraine hat zurzeit halt viele Feinde, leider auch in den eigenen Reihen. Aber wie gesagt, das ist meine persönliche Meinung. Sollte ich mich irren und das Schreiben doch aus Russland stammen, dann würde ich den Verfassern raten, beim nächsten Mal etwas mehr Liebe zum Detail zu zeigen. Schlimm, diese miese Qualität.

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