Kommentar zu Hundetötungen in Kiew

Kommentar zu Hundetötungen in Kiew

Kommentar und Richtigstellung zu Hundetötungen in der Ukraine.

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Ein Kommentar zu den angeblichen Hundetötungen in Kiew

Ukrainer essen keine Löwen und auch Katzen werden selten über den Griller gespannt. Überrascht? Vermutlich nicht. Ich als Herausgeber der Ukraine-Nachrichten ebenfalls nicht, kenne ich doch Land und Leute seit nunmehr 13 Jahren. Lese ich mir allerdings die zahlreichen E-Mails durch, die unsere Redaktion zu dem Thema „Hundetötungen in Kiew“ erreichen, fange ich an, am Verstand vieler Menschen in Deutschland zu zweifeln. Die Ukraine noch niemals bereist, von Presse und Fanatikern aufgehetzt und Halbwahrheiten komplett verdrehend, erwecken die Zuschriften den Eindruck, als würde ich in einem Land voller Barbaren und Menschenfresser leben. Das ist kompletter Blödsinn, daher soll in diesem Beitrag eine Lanze für die Menschen in der Ukraine gebrochen werden.

Einleitend sei darauf hingewiesen, dass die Ukraine-Nachrichten ein nicht-kommerzielles Projekt ist. Wir zeigen keine Werbung an, erhalten keine Zuschüsse und betteln auch nicht um Spenden. Das hat Gründe: Werbung sieht zumeist hässlich aus, Zuschüsse sind schwierig zu erhalten und Betteln hat kein Stil. Da Technik und Design komplett von unserer eigenen Softwarefirma NetzTuner.de entwickelt wurden, hat uns der Aufbau der Internetseite quasi kein Geld gekostet. Ergo, es ist mir als Herausgeber relativ gleichgültig, ob wir viele oder wenige Leser haben. Was zählt, ist eine objektive Berichterstattung. Ebenso wichtig ist es mir, Wirrköpfe in die Schranken zu weisen.

Womit wir zu den Hundetötungen in Kiew kommen. Ich habe selber eine Fellnase als Freund und muss bestätigen, dass in der Ukraine regelmäßig Straßenhunde per Giftköder getötet werden. Dabei sind die giftigen Dosen vermutlich aus Kostengründen derart gering, dass ein Tier von der Größe eines Schäferhundes rund zwei Stunden braucht, um zu verenden. Ein Tierarzt kann nichts mehr tun, das einzige was bleibt, ist das Leid des Tieres per Kugel oder Axt abzukürzen. Habe ich selber bereits tun müssen, nicht schön so etwas. Wer nun aber glaubt, so etwas würde es nur in der Ukraine geben, der irrt gewaltig. In so gut wie allen Ländern Osteuropas wird derart mit wilden Hunden verfahren. Leider.

Schuld hat jedoch nicht die Bevölkerung, sondern die Behörden. Denen ist das Thema nämlich herzlich egal. Straßenhunde zählen auch in der Ukraine für Politiker und Beamte weniger als der berühmte Pickel am Allerwertesten. Daher ist es wenig verwunderlich, dass man auch in Metropolen wie Odessa relativ häufig Tierkadaver am Straßenrand sieht. Zumeist überfahren, und manchmal halt auch vergiftet. Die sogenannten „Doghunter“ werden dabei häufig nicht von Behörden, sondern von Privatleuten und Verwaltern von Wohnanlagen mit den Tötungen beauftragt.

Als Fazit muss festgehalten werden, dass Hundetötungen in der Ukraine vorkommen. Genau so, wie in vielen anderen Ländern auch. Wer das Gegenteil behauptet, ist entweder blind oder kennt das Land nicht. In Kiew ist es vor Jahren aufgrund der Fußball-Europameisterschaft zu einer massenweise Tötung von Hunden gekommen. Das ist bewiesen. Der Eurovision Song Contest 2017 steht vor der Tür und sorgt für so viele Skandale – ich darf kurz abschweifen – dass man eigentlich überhaupt keine Lust auf das musikalische Großereignis hat. Russland baut eine geniale Falle, und die Ukraine tappt voll rein.

Liebe Politiker in Kiew, die Nominierung der russischen Sängerin Yulia Samoilova war so unglaublich offensichtlich eine Farce, warum lasst ihr euch auf so ein mieses Spiel ein? Es wäre so beeindruckend lässig gewesen, die russische Mitleidsnummer ins Leere laufen lassen. „Ein Engel im Rollstuhl, ok, da machen wir mal eine Ausnahme“ – ja, das wäre groß gewesen. Stattdessen spielt ihr das üble Spiel mit. Nun ja, das Thema ist offenbar ohnehin gelaufen, ein Zurück gibt es nicht mehr. Kiew muss auf dem Auftrittsverbot bestehen, sonst wird es ziemlich lächerlich.

Der Eurovision sorgt aber für noch mehr, ganz andere Schlagzeilen: Doghunter schlachten die gesamte Hundepopulation der ukrainischen Hauptstadt Kiew ab. So kann man es zumindest diversen Online-Petitionen und Foren entnehmen. Wer das glaubt, ist selber Schuld. Ich zumindest kann mir nicht vorstellen, dass Kiews Bürgermeister Vitaly Klitschko so blöd ist, sich eine solche Blöße zu geben. Es wird übertrieben und hyperventiliert – die Wahrheit bleibt wie so häufig auf der Strecke. Ja, noch einmal und ganz deutlich, in der Ukraine werden Straßenhunde getötet. Aber sicherlich nicht wegen dem Eurovision.

Und genau so sicher, und dafür verbürge ich mich, werden nicht Katzen zu Hunderttausenden abgeschlachtet und Zootiere bei lebendigem Leibe aufgefressen. Ich übertreibe? Na, wenn sie wüssten, was für E-Mails uns erreichen. Hier mal eine Kostprobe: „Lieber Herr Raczynski, stellen Sie sich vor, in Kiew wurde der Zoo überfallen und ein Löwe gefressen.“ Sehr geehrte Leserin, Sie sind nicht ganz dicht. Das meine ich ernst, denn sonst kann ich mir nicht vorstellen, wie ein geistig gesunder Mensch so einen Unfug schreiben kann. Davon mal abgesehen, bin ich mir auch nicht sicher, was der Herr Löwe zu dem Wunsch des Leckermauls gesagt hätte. Man kann aber wohl von Gegenwehr ausgehen.

Noch ein Beispiel: „Sehr geehrter Herausgeber, mit Freude habe ich ihren Bericht zu dem Eurovision Kiew gelesen. Ich muss Ihnen jedoch etwas Schlimmes sagen: Tierschützer werden in Kiew angegriffen, Tierheime geplündert und die Tiere geschlachtet“. Mann oh Mann, solche E-Mails erreichen uns täglich. Die Menschheit ist teilweise komplett verblödet – eine andere Erklärung gibt es nicht. Daher mal eine deutliche Botschaft an die deutschen Leser inmitten der Komfortzone der Europäischen Union: Ukrainer sind in der Regel unglaublich tierliebe Menschen. Als Nahrung bevorzugen sie kräftige Mahlzeiten, bei denen weder Katze noch Löwe vorkommen.

Was mich persönlich verwundert, ist die Unverfrorenheit, mit der Lügen verbreitet werden. Die Redaktion hat in den letzten Wochen rund 30 E-Mails von Katzenfreunden erhalten. Alle von kaum nachvollziehbaren Freemail-Accounts. Alle 30 wurden gelöscht, eine Nachricht wurde beantwortet, indem nach einer Quelle für die haltlosen Behauptungen gebeten wurde. Die Antwort kam erst nach fünf Tagen: Als Referenz wurde eine eigens selbst zusammengezimmerte Facebook-Seite angegeben. Liebe Tierfreunde, auch ich liebe Tiere, aber was ihr bei der Thematik Eurovision und Ukraine abzieht, ist nicht mehr lustig. Kein Respekt vor den Menschen in der Ukraine, kein Schamgefühl, nur leere, hysterische Worte. Eine Schande für jeden intelligenten Menschen.

3 KOMMENTARE

  1. Get Outlook for iOS

    Sehr geehrter Herr Raczynski,
    zu Ihrem Kommentar vom 8.April 2017 möchten wir, eine Gruppe von Tierschützern, wie folgt Stellung nehmen.
    Es wurde nie von uns behauptet, dass die Ukrainer Löwen und Katzen essen. Dies ist eine ungeheuerliche, bösartige Unterstellung und soll unser Anliegen diskreditieren. Sie ist so ungeheuerlich, dass man an einen polemische Propagandastil längst vergangener Tage glaubt.
    Diese Ironie von Ihnen passt überhaupt nicht zum Tierschutz,und der Kommentar diesbezüglich war vollkommen unpassend. Menschen die sich für Tiere einsetzen kann man durchaus ernst nehmen.

    Das Hunde in der Ukraine qualvoll getötet werden, haben Sie bestätigt, wenn auch in einer sehr abgeschwächten Form.
    Wir wissen, dass diese Art von Tötungen nicht nur in der Ukraine passieren und sind auch in anderen Ostblockländern tätig.
    Die Ukraine steht aber im Moment im Fokus, da dort bedingt durch den ESC vermehrt Hundetötungen bekannt werden.
    Tierschützer vor Ort und zwar sehr glaubwürdige, senden uns fast täglich aktuelle Berichte und Fotos.
    Wir greifen mit unseren Bekanntmachungen nicht die gesamte Ukraine an, ganz bestimmt nicht, aber es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass viele einfach an sterbenden Tieren vorbeigehen, bzw. zusehen ohne zu helfen. Wir denken, man muß diese Menschen wachrütteln und zur Vernunft bringen, zumal es sich auch um kastrierte Hunde handelt.
    Desweiteren verstehen wir nicht, warum den Dog-Huntern kein Einhalt geboten wird.
    Warum können sie sinnlos morden und alle gucken weg?
    Warum reagieren Politiker und Beamte nicht?
    Selbst wenn die Dog-Hunter von Privat-Personen oder Behörden beauftragt wurden, so etwas darf nicht sein, zumal es in der Ukraine auch ein Tierschutzgesetz gibt.
    Es wurden zu Fußball-Europameisterschaft massenweise Hunde getötet, auch da hat man an dem „Verstand der Deutschen“ gezweifelt, leider hat sich aber herausgesellt, das unser Verstand vollkommen in Ordnung war. Dies haben damals die deutschen Sender ARD und ZDF zweifelsfrei bildhaft dokumentiert.
    Die Ukraine möchte sich gerne als modernes und offenes Land präsentieren, dazu gehört aber mehr als nur einen ESC auszurichten und das auf dem Rücken wehrloser Tiere.
    Wir haben Herrn Bürgermeister Klitschko angeschrieben, leider hat er sich bisher nicht dazu herabgelassen, in irgendeiner Weise zu antworten.
    Auch dieses ist ein Armutszeugnis und lässt vermuten, dass es ihm egal ist was dort passiert, Hauptsache der ESC wird ein Erfolg.
    Zu den Katzen wollen wir nur mal kurz erwähnen, es ist sicher das Katzen in Kellern hinter Gitterstäben eingeschweißt wurden, und dort jämmerlich verhungern und verdursten. Den Tierschützern vor Ort wurde verboten, die Katzen mit Futter und Wasser zu versorgen.
    Leider sind das Tatsachen und sowohl wir, als auch die Tierschützer vor Ort, sind geistig gesunde Menschen und schreiben keinen Unfug.
    Daher auch nochmal eine deutliche Antwort auf Ihre Botschaft:
    Ja, wir leben inmitten der Komfortzone der EU,
    ja, wir haben für unseren Komfort hart gearbeitet,
    ja, wir arbeiten immer noch an unseren Tierschutzgesetzen und gucken rechts und links über den Zaun und sagen nicht einfach: Dann ist es so. Dies haben wir auch übrigens massiv getan,mit finanzieller Unterstützung bei der „ Orangenen Revolution“ durch Deutschland und Europa. Und tun dies noch heute.
    Ebenso sind wir nicht verblödet, wir sind nur nicht ignorant und setzen uns für Tiere ein, egal wo.

  2. Sehr geehrter Herr Boris Raczynski,

    eben hatte ich mit Bezug auf die Strassenhunde begonnen, über meine Erfahrunen mit dem Umgang und der Fürsorge für krebskranke ukrainische Kinder zu berichten. Nachdem ich unsere Website eingegeben hatte, was meine Antwort weg – ob nun zur Redaktion oder nur gelöscht?

    Seit 1992 engagieren wir uns in der Ukraine für krebskranke Kinder, für Medikamente und Anschlussheilbehandlung in Deutschland. Ich habe seit Beginn unter allen Präsidenten und allen Deutschen Botschaftern die bittere Erfahrung gemacht, dass das Sterben von Tieren die Menschen offensichtlich mehr beschäftigt als das Sterben der krebskranken Kinder. Wer aus einer armen Familie kommt, die Medikamente nicht zur Klinik bringen kann, wird nicht behandelt und wer die in der Ukraine nicht käuflichen Medikamente benötigt, muss nach Polen, Russland oder Westeuropa fahren, um die Medizin dort zu kaufen – wer kann das aus der „Normal-Bevölkerung“?

    Nur wer der Krankenschwester oder dem Arzt Geld zusteckt, kann auf die Hilfeleistung hoffen, allerdings können Ärzte keine Medizin liefern, weil auch sie mit einem Verdienst nach Hause gehen, mit dem man keine Familie ernähren kann.

    Sie müssen sogar dafür bezahlen, eine Anstellung in einer Klinik bekommen zu können.

    Seit 25 Jahren laden wir jedes Jahr 25 krebskranke Kinder zur Anschlussheilbehandlung nach Neumünster, Schleswig-Holstein, kaufen Medizin in Polen und Deutschland und organisieren dies zur Behandlung in die Kliniken oder zu den betroffenen Familien.

    Am 13.05. ab 8:30 Uhr treffen wir uns mit 25 krebskranken Kindern und deren Eltern in der Deutschen Lutherischen Kirche in Kiew. die Kinder kommen aus den Kliniken. Poltawa, Tscherkassy, Vinnitza, Kiew-Ochmatdit und Lwiw. Betreuer: ukr. Studenten, teilweise unsere ehemaligen Kinderpatienten, Krankenschwestern und Kinderärzte aus Poltawa und Kiew(Medizinstudentin)

    In Kiev sind mein Mann und ich erreichbar: ab dem 09.05. unter
    +380 44 2355626

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihre

    Eberhardine

    PS: Google scheint meinen Vornamen zu mögen. Da finden Sie unter meinem Vornamen + krebskranke Kinder oder ukrainische Kinder viele Berichte – daneben wird auch die Ehefrau von August, dem Starken erwähnt, über dessen kriegerischer Ereignisse in Poltawa berichtet wird – dort waren wir vielmals, weil wir dort ein Kinder-Reha-Zentrum errichten wollten, was aus korrupten Kontakten bisher nicht realisiert werden konnte.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihre

    Eberhardine Henriette Seelig

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