Kostenlose Uni will Braindrain stoppen

Kostenlose Uni will Braindrain stoppen

Kostenlose Universität will IT-Braindrain in der Ukraine aufhalten.

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Ukraine Nachrichten Universität Studium
Kostenlose Universität soll IT-Fachleute im Land halten

Ukrainische IT-Spezialisten zieht es ins Ausland. Tausende Fachleute haben in den vergangenen Jahren das Land verlassen. Geschäftsmann Vasyl Khmelnytsky will das mit seiner kostenlosen Universität stoppen. Das Studium in der Unit Factory kostet kein Geld. Im Gegenzug müssen die Absolventen mindestens drei Jahre im Land bleiben.

Die „Unit Factory“ gleicht nicht dem typischen Äußeren eine Universität – eher einem modernen IT-Unternehmen. Der Neubau befindet sich auf einem alten Industriegelände in der Hauptstadt Kiew. Einlass wird nur per Chipkarte gewährt.

Ukraine: Privat-Uni gegen IT-Abwanderung

Direktorin Valeria Zabolotna erklärt: „Wir haben keine Lehrer, wir haben 24 Stunden 7 Tage die Woche geöffnet. Bei uns gibt es keinen Stundenplan, keine Vorlesungen, keine Seminare.“ Ungewöhnlich, und doch sollen sich mehr als 10.000 Ukrainer als Studenten auf die gut 300 Studienplätze des ersten Jahrgangs beworben haben.

Das Auswahlverfahren läuft bis Mitte November, rund 500 Anwärter sind noch im Rennen. Viel Wochen lang erhalten sie nun jeden Tag neue Aufgaben. Eine Vielzahl von diesen haben ein Praxisbezug, wie zum Beispiel das Entwickeln von Lösungen für den Eigenbedarf der Universität.

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Bau der Unit Factory in Kiew, Ukraine – Foto: Unit Factory

Der ukrainische Staat erkennt die „Unit Factory“ bisher nicht als Universität an. Gründer Vasyl Khmelnytsky ist dennoch davon überzeugt, dass die künftige IT-Elite der Ukraine auch ohne diesen Titel in sein Haus kommen werde. Und danach in der Ukraine bleiben – davon ist der Geschäftsmann überzeugt.

Laut eigener Aussage hatte er es satt, mitansehen zu müssen, wie junge IT-Spezialisten nach dem Studium das Land verlassen. „Die Hauptidee: Die Ukrainer sollen im Land bleiben“. Uneigennützig agiert Khmelnytsky nicht, er plant den Aufbau eines ukrainischen Silicon Valley. „Wir lehren nicht, Wissen anzuhäufen, sondern es praktisch einzusetzen“, beschreibt er seine Idee.

Silicon Valley in der Ukraine als Ergebnis

Die Bewerber sind im ersten Moment von dem computergestützten Lernen überfordert. Der Schwierigkeitsgrad ist hoch, Ansprechpersonen gibt es nicht. Das Erfolgsrezept besteht in dem gegenseitigen unterstützen und dem miteinander lernen. Kommunikation, Fehler bei anderen finden und diese dann selber nicht begehen – und wenn alle Stricke reißen sei Google als digitales Nachschlagewerk stets parat.

Direktorin Zabolotna ergänzt, dass sich die Bewerber in täglich neu formierten Zweierteams gegenseitig analysieren und unterstützen. Im Team arbeiten – in einer bisher bei Universitäten unbekannten Dimension. Der Druck ist hoch: Jeder vierte Bewerber gibt auf. Aktuell konkurrieren noch 500 Anwärter um 300 Studienplätze.

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