Putins Übernahme des Donbass

Putins Übernahme des Donbass

Putins schleichende Übernahme des Donbass - und die Schwäche des Donald Trump.

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Ukraine Nachrichten Russland Wladimir Putin

Wladimir Putin dürfte zurzeit seinen Geburtstag jeden Tag aufs Neue feiern. Der Kremlchef nutzt gnadenlos jede Schwäche der US-Regierung und dehnt seinen Einfluss auf die prorussischen Rebellen besetzten Gebiete im Donbass permanent aus. Damit begräbt er gleichzeitig die Hoffnung der Europäer, dass er sich an das Friedensabkommen von Minsk halten würde. Zudem führt er ein mögliches Ende der Sanktionen gegen sein Land ad absurdum, doch damit wird er gerechnet zu haben – relativ gleichgültig scheint es ihm auch zu sein.

Offiziell verweist der Kreml gerne auf die Friedensgespräche von Minsk, seine wahre Motive dürften jedoch in einer lange währenden Schwächung der Ukraine liegen. Der Krieg im Osten hat das Potential das osteuropäische Land auf Dauer zu ruinieren, was Putin mehr als Recht sein dürfte. Der Kreml-Chef sieht das Nachbarland als Verräter an, als Abtrünnigen, der sich von dem russischen Brudervolk abgewendet hat und eigene Wege beschreiten will. Das will er unten allen Umständen verhindern – eine wirtschaftliche Gesundung der Ukraine ebenso.

Wie gerufen kam ihm da die Blockade des Donbass durch ukrainische Aktivisten. Deren Beweggründe können zwar durchaus nachvollzogen werden – wenn die Welt nur aus Schwarz und Weiß bestehen würde – und doch haben sie ihrem Land einen echten Bärendienst erwiesen. Die Kohlen- und Stahlgebiete wurden Moskau quasi auf einem silbernen Tablett serviert, und Putin griff zu. Die Unternehmen wurden in einer Nacht- und Nebelaktion übernommen, den Arbeitern harte US-Dollar aus Koffern ausgezahlt und als Ergebnis der Blockade hat Russland nun einige wichtige Betriebe mehr.

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Situation der Ukraine als Kartendarstellung

Der nächste Schritt wäre eine Integration der Gebiete in die Russische Föderation. Davor aber schreckt der Kreml zurück, hat er doch genug Ärger durch die Annexion der Halbinsel Krim am Hals. Kreml-Sprecher Dmitry Peskow bezeichnete entsprechende Spekulationen daher unlängst auch als „absurd“. Den Begriff „naiv“ nannte er ebenfalls – und spätestens jetzt werden bei einigen EU-Politikern vermutlich die Alarmglocken geschrillt haben. Ein Blick nach Moldavien und dessen abtrünnige Republik Transnistrien öffnet die Augen. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie man ein Land langsam aber sicher in die Knie zwingen und einen Einfluss über die eigenen Landesgrenzen hinaus ausdehnen kann.

Zuerst kam die Anerkennung der Reisepässe von Bürgern aus den abtrünnigen „Volksrepubliken“, dann folgte als Konsequenz auf die Blockade die Einverleibung von wichtigen Unternehmen. Wie wird der nächste Schritt aussehen? Russland wird vermutlich seine sich längst in der Krisenregion stationierten Einheiten offiziell als „Schutztruppen“ deklarieren. Damit dürften alle Hoffnungen der Ukraine, die Landesteile eines Tages wieder zu erhalten, zu Grabe getragen werden. Es hätte sicherlich nicht so weit kommen müssen – Barack Obama und sein Nachfolger Trump hatten es in der Hand.

Obama allerdings war schwach. „Rote Linien“ entpuppten sich als inhaltslose Drohungen. Der Kreml-Chef hat das Zögern und die Inkonsequenz gnadenlos ausgenutzt. Bei der Annexion der Halbinsel Krim hätten ihm Grenzen aufgezeigt werden müssen, das ist nicht erfolgt. Donald Trump wiederum hatte die Karten neu in der Hand. Er hätte der Ukraine helfen können, hat die Chance jedoch vergeben. Zurzeit sucht er immer noch eine Strategie für seine Außenpolitik, wechselt Feindbilder wie andere Leute ihre Wäsche und arbeitet sich an wenig intelligenten Tweets ab. Der Despot in Moskau wird sich das Treiben vermutlich vor Freude feixend anschauen. Es ist ein Armutszeugnis, was die USA unter Trump abliefern – und die Ukraine bleibt auf der Strecke.

2 KOMMENTARE

  1. Kopf hoch; Zuerst muß man wissen was man will, dann entsprechende Konzepte entwickeln. Das machen die Russen unter Putin vor, aber was macht die Ukraine? Zur Freude falscher Freunde sichtbar wenig richtig. Vorwürfe und lähmende Kritik ist gewiß immer falsch. – Wollte die Ukraine ihr politischer Wille realisieren, dann braucht es unbedingt eigene wirtschaftliche Stärke. Die Russen werden jegliche wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine torpedieren. (Sie spielen nicht den Ball, sondern treten andere Mitspieler) Die Amis sind da nur lachender Dritter, können nur profitieren. Die Europäer gesellen sich unter die Lacher, wollen Partner(?) sein.

    Liebe Ukraine, tue dir selber den Gefallen und schaffe für deine Bürger die Rechtsgrundlage sich z.B. vor Korruption zu schützen. Schaffe Rechtsicherheit im Lande welche konstruktive Wirtschaftspolitik ermöglicht. Freiheit hat sein Preis, aber die Bürger sollen nicht verarmen. Sie sollen in viele kleine Schritte ihre Ziele erreichen können. Der gemeinsame Erfolg macht stark und selbstbewußt! Kurz: Wirtschaftliche Stärke heißt Ziele erreichen, immer neue Ziele erreichen können.

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