Schmuggel und Erfindungsgeist in Odessa

Schmuggel und Erfindungsgeist in Odessa

Das Schmuggelmuseum in der ukrainischen Hafenstadt Odessa - eine Empfehlung.

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Ukraine Nachrichten Odessa Schmuggelmuseum
Odessa hat ein Schmuggelmuseum

In der ganzen Welt wird nach wie vor fleißig geschmuggelt. Ob Parfum, Lebensmittel, gefälschte Markenkleidung, Schmuck oder Zigaretten. Sehr viele Waren versucht man, illegal ein- oder auszuführen. Steuern und Zölle gehen dabei verloren. Was ein großes Problem für den Staat bedeutet, birgt trotzdem spannende Geschichten und Eindrücke. Letztere kann man in Odessa im Schmuggelmuseum sammeln. Mehr als 150 Exponate führen die Besucher in die Welt der Schmuggler.

Das Schmuggelmuseum in Odessa

Schon wenn man den ersten Saal betritt, versteht man sofort, dass die Geschichte des Schmuggels eine Geschichte über den menschlichen Erfindungsgeist ist. Ein gutes Beispiel- die Katakomben von Odessa. Diese zwielichtige Parallelwelt war ein richtiges Paradies für Kriminelle, besonders im Zeitraum von 1819 bis 1859. Damals war Odessa eine wirtschaftliche Sonderzone mit dem Freihafen und stieg schnell zum bedeutendsten Handelszentrum im Süden des Zarenreiches auf.

Zugleich hatte die Sonderzone zur Folge, dass in Odessa der Schmuggel florierte. Die Stadtverwaltung versuchte mehrmals das Territorium des Freihafens zu verkleinern, um es besser kontrollieren zu können, aber die Schmuggler kamen auf immer ausgefallenere Ideen, um ihre Profite zu bekommen.

Ukraine Nachrichten Odessa Schmuggelmuseum
Man nimmt es mit Humor – natürlich

Im Zarenreich wurden meistens Porzellan, Seide, Stickereien, Keramik, Gewürze und Tee über die Grenze geschmuggelt. Zu Zeiten der UdSSR brachte man ins Land illegal Damenstrümpfe, Zeitschriften auf Englisch, Filzstifte, Schallplatten, Ananas-Konserven, Kassetten, Parfum… Wie die verbotenen Waren nach Odessa kamen, war von Fall zu Fall verschieden, die Schmuggler waren dabei sehr einfallsreich.

Gezeigt werden im Museum Koffer, Taschen, aber auch Schuhabsätze mit doppelten Böden und andere Verstecke. Insbesondere beim Rauschgiftschmuggel sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Nicht nur Kleidung und Gepäckstücke, sondern auch Waschmittel, Kaffeedosen, Bananen und Teddybären wurden verwendet. Es wurden auch mit Betäubungsmitteln gefüllte Kapseln geschluckt. Das endete aber meistens tödlich für die Drogenkuriere.

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Auch Teddy wurde geschmuggelt

„Viele kuriose Geschichten sind mit dem Schmuggel in Odessa verbunden“, erzählt uns die Museumsführerin Larisa Krasylnikova. „Einmal wettete der Generalgouverneur Woronzow mit seinem Freund (dem Händler Toporow) darum, dass es ihm nicht gelingen würde, aus Odessa Waren im Wert von 10000 Rubel zu schmuggeln. Damals, in den vierziger Jahren des 19.Jahrhunderts, betrug der tägliche Lohn nur 2 Rubel.

Am nächsten Morgen kam Toporow zur Grenze, wurde sehr gründlich durchsucht, die Wände seiner Kutsche wurden sogar zerhackt. Die Zöllner konnten jedoch nichts finden. Dann gab Toporow seinem Pudel ein Zeichen. Der lief zu ihm und mit einem Griff nahm der Händler kostbare Diamanten aus dem „Fell“ raus. Der Pudel stellte sich als kleiner nacktrasierter Straßenhund heraus. So verlor Woronzow diese Wette“.

Noch viele interessante Geschichten erfährt man während der Führung. Wenn man die Ausstellungsräume verlässt, weiß man: “ Dieses Museum sollte man gesehen haben”.

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