Odessa: Selbstironie muss auch mal sein

Odessa: Selbstironie muss auch mal sein

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Ukraine Nachrichten Odessa
Eine Geschichte aus Odessa

Nur humorvolle Menschen schmunzeln auch über die eigenen Pannen, meint der deutsche Schriftsteller Oskar Stock. Daher erzählen wir heute die Geschichte von dem Deutschen, der in Odessa auszog, eine alte Münze zu kaufen – und am Ende herzlich lachen musste. Geht es um Altes und Kurioses, dann ist der Flohmarkt in der Moldawanka die erste Adresse in der ukrainische Hafenstadt.

Einst Hochburg von Schmugglern und durchgetriebenen Händlern, ist das Stadtviertel zwar ein klein wenig in die Jahre gekommen, bietet dafür aber jeden Samstag und Sonntag eine ganz besondere Attraktion: einen Flohmarkt von beeindruckenden Ausmaßen.

Flohmarkt in der Moldawanka, Odessa

Fünf Straßenzüge ist er groß, der Ort, an dem Menschen quasi auf Gehwegen und der Straße sitzend, ihre Gegenstände zum Verkauf anbieten. Der Herausgeber der Ukraine Nachrichten besucht den Freiluft-Trödelmarkt regelmäßig und weiß daher allerhand zu berichten.

Heute soll es um ein kleines Stück Metall gehen, in den kommenden Tagen wird der Flohmarkt dann in einem ausführlichen Artikel vorgestellt werden. Das Stück Metall ist eine Münze, und sollte den Besitzer wechseln, da der Autor halt gerne seltsame Hobbys pflegt.

Eine alte Sowjet-Münze sollte es sein

Gewiss, Münzen und Zahlungsmittel zu sammeln, ist nun durchaus keine Seltenheit – es ist vielmehr eine Leidenschaft, der viele kleine und große Jungs frönen. Nach über 13 Jahren in der Ukraine sollte aber eine Münze in die Sammlung aufgenommen werden, die halt kein gültiges Zahlungsmittel mehr ist.

Alt, vielleicht aus Sowjetzeiten, und gut aussehen sollte sie auch. Auf in die Moldwanka, wo entsprechende Verkäufer leicht zu finden sind. Fünf Minuten waren vergangen, und schon strahlten die Augen.

Deutsche Sprache geht halt immer

Eine kleine Holzkiste, randvoll mit alten Münzen. Alte Rubel seien es, erklärte der Verkäufer. Der übrigens merklich freundlicher wurde, nachdem er bemerkte, keinen US-Amerikaner sondern einen Deutschen vor sich zu haben.

„Das ist fantastisch“, ein bekannter Witz in der Ukraine und eine Anlehnung an die ersten Filme aus westdeutscher Produktion, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion das Land förmlich überschwemmten. Die Höhepunkte ihrer Karriere hatte Teresa Orlowski vermutlich in der Ukraine. Sie wird es halt nur nicht gewusst haben.

Sowjet-Rubel für rund 0,50 Euro

Beide Hände tief in besagter Kiste vergraben und in einem holprigen Gespräch mit der Verkäufer vertieft, wurden dann doch recht schnell zwei schöne Stücke gefunden. In diesem Moment wäre etwas mehr Aufmerksamkeit angebracht gewesen.

Dem war aber nicht der Fall, sodass die Wahl auf diejenige Münze fiel, die vermeintlich eher den Geschmack des Käufers traf. Nach einem kräftigen Händeschütteln wechselten umgerechnet 0,50 Euro den Besitzer und der Schatz wurde stolz in die eigenen vier Wände getragen.

Was ist das nur für eine Münze?

Der Zustand war gut, die Reinigung ging daher schnell über die Bühne. Ach, und wie schön sie strahlte. Apropos „strahlen“, hatte der Verkäufer neben einer gehörigen Portion von Freundlichkeit nicht auch so ein gewisses schmunzelndes Lächeln in den Augen?

In Überlegungen solcher Art vertieft, sollte die Münze genauer in Augenschein genommen werden. Ein Klingeln an der Tür verhinderte dies kurzzeitig. Ein Bekannter kam zu Besuch, warf dem Beutestück einen interessierten Blick zu und konstatierte:

Ukraine Nachrichten Odessa
Augen auf beim Münzkauf

„Eine Sonderprägung anlässlich des 20. Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland“. Der Autor musste dann ebenfalls herzlich lachen – und mag die Münze trotzdem.

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