Der Streit um das Gold der Skythen

Der Streit um das Gold der Skythen

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Ukraine Nachrichten Das Gold der Skythen
Wem gehört das Gold der Skythen?

Die Niederlande steht zum zweiten Mal vor einer wichtigen Entscheidung bezüglich der Ukraine. Es geht um Kulturgüter, die seit der Annexion der Krim in Amsterdam lagern. Wem gehört das Gold der Skythen? Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist.

Ein Gericht in den Niederlanden soll jetzt für Klarheit sorgen. Dass sich die Niederländer eines Tages als Entscheider in einem Konflikt globalen Ausmaßes wiederfinden, hätte in dem Land der Tulpen und Tomaten vor Jahren wohl keiner gedacht.

Der Streit um das Gold der Skythen

Nur wenige Tage nachdem Ministerpräsident Mark Rutte die Ablehnung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und der Ukraine ankündigt, entscheiden Richter in seinem Land nun über eine weitere wichtige Frage: Sollen wichtigen Kulturgüter zurück auf die Krim oder doch nach Kiev gesendet werden?

Dabei begann alles vielversprechend: Die Ausstellung im Amsterdamer Allard Pierson Museum lockte viele Besucher an. Sie stand unter dem Motto „Krim-Gold und die Geheimnisse des Schwarzen Meeres“ und zeigte wertvolle Exponate der Skythen-Kultur.

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Wem gehört das Gold der Skythen?

Das Reiternormadenvolk besiedelte ab dem 8./7. Jahrhundert v. Christus die eurasischen Steppen nördlich des Schwarzen Meeres im heutigen Südrussland und der Ukraine von der unteren Wolga bis zum Dnister. In Gräbern werden immer wieder Schätze gefunden, häufig bestehend aus Gold und in einer erstaunlichen Kunstfertigkeit hergestellt.

Um eben solche Stücke geht es im Streit der Ukraine und Russlands. Besagte Ausstellung ist seit über zwei Jahren geschlossen, die mehr als 2.000 Exponate jedoch nicht auf die Krim zurückgekehrt. Auf Bitte der ukrainischen Regierung.

2.000 Exponate warten auf Entscheidung

Kulturminister Jewhen Nischtschuk erklärt: „Wenn sie auf die Krim zurückkehren, wissen wir nicht, was aus ihnen wird. Russland hat die Krim annektiert und wir haben dort keinen Zugang. Die Regierung hat schon vor zwei Jahren beschlossen, dass in dieser Situation alle Exponate von der Krim vorübergehend in Kiew aufbewahrt werden sollen, im Museum der ukrainischen Geschichte.

Sobald die Okkupation der Krim endet, sollen sie sofort auf die Halbinsel Krim zurückkehren.“ Russland sieht die Sache ein klein wenig anders, was für Verunsicherung in Amsterdam sorgt.

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Das Gold der Skythen – bis zu 2.800 Jahre alt

Archäologin Valentina Mordwintsewa als Vertreterin der Museen der Krim sagt: „Die Museen haben Exponate nach Amsterdam ausgeliehen, die ihre Visitenkarte darstellen. Sie dachten, sie tun etwas Gutes. Aber jetzt kann der Streit dazu führen, dass die Bevölkerung der Krim das Vertrauen in die Ukraine und den Westen insgesamt verliert.

Die Gegenstände sollten dahin zurückkehren, von wo sie auch ausgeliehen wurden.“ Medien in der Ukraine und Russland stellen den Streit um die Ausgrabungsfunde wie einen Streit um die Halbinsel Krim dar.

Anerkennung der Annexion der Krim?

Das Gericht in den Niederlanden entscheidet so gesehen nicht nur über die Exponate, sondern auch darüber, ob es die russische Annexion der Krim anerkennt. Eine Dimension, die vielleicht etwas überzogen ist – und doch, dass die Gerichtsentscheidung auch international Wellen schlagen wird, scheint sicher. Auch droht der Ukraine ein Prestigeverlust.

Ukrainische Beobachter sind daher der Meinung, dass sich ihr Land wesentlich stärker engagieren sollte. So gibt es in Kiew weder ein geeignetes Museum noch befindet eines in Planung. Das Gold der Skythen würde in einem Depot landen.

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Fundstück aus einem Königsgrab

Der Journalist Anton Schwerts ergänzt laut einem Bericht von Deutschlandfunk, dass die Ukraine nicht genau weiß, um welche Gegenstände sie sich konkret bemüht. Es gebe kein zentrales Register für Museumsbestände, nur die Museum hätten solche Listen.

Experten meinen, dass sich die Ukraine längst um die Beschaffung detaillierter Informationen hätte kümmern müssen. Das Unternehmen, das den Transport nach Amsterdam versichert hat, wird als möglicher Ansprechpartner genannt. Ein Versäumnis, denn das Gericht in den Niederlanden will im Dezember 2016 eine Entscheidung fällen.

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