Ukraine: 30 Prozent wollen bald weg

Ukraine: 30 Prozent wollen bald weg

Migration: 30 Prozent der Ukrainer wollen ihre Heimat für immer verlassen.

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30 Prozent der Ukrainer wollen weg

Die Ukraine verliert ihre Bevölkerung. Waren es zuerst politische Gründe, die Ukrainer bewogen haben, ihre Heimat zu verlassen, sind es nun finanzielle Motive. Mehrere Forschungsinstitute kommen unabhängig zu dem gleichen Ergebnis: Rund ein Drittel der Bevölkerung wartet nur auf die Gelegenheit, die Ukraine verlassen zu können.

Die Anzahl der Ukrainer, die in den letzten Monaten dem Land bereits den Rücken gekehrt haben, soll um 20 bis 30 Prozent gestiegen sein. Die Regierung des Landes hat den Ernst der Lage erkannt und versucht mit TV-Kampagnen gegenzusteuern – vergeblich.

Ein Drittel der Ukraine wollen weg

Bei Umfragen werden stets die selben Beweggründe angegeben: Menschen bis 45 Jahren sehen keine Perspektive in ihrer Heimat und sind von der politischen Führung enttäuscht. Damit verliert die Ukraine ihr wichtigstes Kapital: junge, talentierte und aktive Menschen.

Vor einigen Tagen sorgte der Ukrainer Artur Orudzhaliev auf Facebook für Aufsehen, indem er seinen neuen Pass der USA als Foto veröffentlichte. Dazu schrieb er in dem sozialen Netzwerk: „Die Ukraine versucht weder uns am Gehen zu hindern, noch kann sie uns irgendwas bieten.“

Junge, talentierte Menschen gehen

Laut dem Meinungsforschungsinstitut December Research & Branding Group wollen 34 Prozent aller Ukrainer das Land für immer verlassen. Das wäre ein Anstieg von 15 bis 20 Prozent im Vergleich zu dem Vorjahr.

Fehlende Arbeitsplätze, Unterbezahlung, der bewaffnete Konflikt im Osten des Landes, die wirtschaftliche Situation des Landes und persönliche Gründe werden bei allen Umfragen genannt. Ukrainer im Alter von 35 bis 60 und mit einer Ausbildung sowie finanziellen Möglichkeiten ausgestattet, planen den Kauf von Immobilien und die Gründung von Unternehmen im Ausland.

Die Existenzgründung im Ausland

Bevölkerungszahl der Ukraine
Bevölkerungszahl der Ukraine – Quelle: Ukraine-Nachrichten

Offizielle Beratungsfirmen geben in Befragungen an, dass sie pro Woche mindestens zehn Personen dabei unterstützen, die Ukraine für immer zu verlassen. Es gibt Tausende solcher Firmen in der ehemaligen Sowjetrepublik, von Reisebüros und Visa-Agenturen gar nicht zu sprechen.

Die Länder, in denen Ukrainer künftig bevorzugt leben wollen sind Polen, Deutschland, Kanada und die USA. Nach ihren geschäftlichen Planen gefragt, gaben die meisten an, Internetshops, Softwareentwicklung oder Schönheitspflege als berufliches Standbein anzustreben.

Plan: Studium und Arbeitserlaubnis

Die Möglichkeiten für Ukrainer ihre Heimat erfolgreich zu verlassen, sind dabei vielfältig: Junge Menschen versuchen es zumeist erfolgreich mit einem Studium und anschließender Arbeitserlaubnis. Länder wie Polen suchen förmlich nach ukrainischen Arbeitskräften und vereinfachen daher ihre Migrationsgesetze.

Weitere Möglichkeiten bestehen in einer Heirat oder dem Nachweis, in dem Familienstammbaum Polen, Ungarn, Rumänen oder Juden gehabt zu haben. Letztgenannte Option ist oftmals der leichteste Weg Richtung Europa.

Einmal weg heisst für immer weg

Experten erklären, dass so gut wie alle Ukrainer, die ihre Heimat verlassen haben, nicht wieder zurückkehren. Eventuell als Besucher oder Tourist, doch an ein Leben in der Ukrainer sei bereits nach wenigen Jahren nicht mehr zu denken.

Eine Entwicklung, durch das Land in naher Zukunft in eine weitere Krise gestürzt werden könnte. Es wird an Arbeitskraft fehlen, und das in allen Bereichen. Zudem wird es keinen Nachwuchs an Führungskräften geben. Spezialisten aus den Bereichen IT, Wirtschaft, Handel und Medizin werden Mangelware sein.

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