Ukraine: Russland zieht die Gas-Karte

Ukraine: Russland zieht die Gas-Karte

Der russische Energiekonzern Gazprom will Nord Stream 2 und Turkish Stream forcieren.

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Ukraine Nachrichten Nord Stream 2
Russland setzt voll auf die Gaskarte

Der russische Energiekonzern Gazprom vergibt Milliardenaufträge für den Bau der Gaspipelines Turkish Stream und Nord Stream 2. Letztgenannte wird von der EU-Kommission kritisch gesehen. Es gibt allerdings auch andere Stimmen. So habe der russische Premierminister Dmitry Medvedev das Thema „Nord Stream 2“ unlängst bei einem Treffen mit seinem finnischen Kollegen Juha Sipila angesprochen.

Laut einem Bericht des ukrainischen Nachrichtenmagazins KyivPost habe der finnische Premierminister dabe einzig Bedenken in puncto Umweltschutz geäußert. So das Projekt internationalen Gesetze folge, wäre nichts dagegen einzuwenden.

Russland setzt auf die Gaskarte

Das sieht die Regierung der Ukraine in Kiew etwas anders. Die ehemalige Sowjetrepublik braucht die Einnahmen aus dem Gastransit zwingend, um einen völligen Zusammenbruch des Staatshaushaltes zu verhindern. Die entsprechenden Einnahmen belaufen sich auf rund eine Milliarde US-Dollar pro Jahr.

Zudem erhält das Land 17 Milliarden Kubikmeter Erdgas für die Weiterleitung der russischen Lieferungen nach Westeuropa. Die Ukraine verbraucht etwa 25 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich. Würden die quasi kostenlosen Lieferungen künftig ausfallen, könnte dies das Land endgültig in den finanziellen Abgrund stürzen.

Ukraine vor Herausforderungen

Die Direktorin für Energiepolitik bei der EU-Kommission, Mechthild Wörsdörfer, bezeichnet daher Nord Stream 2 als „nicht Teil unserer Linie“. Man brauche zwar Gasimporte, wollen aber die Bezugsquellen diversifizieren. Dazu soll ein südlicher Gaskorridor geschaffen werden, um künftig Gas aus Aserbaidschan über Italien in die EU fließen zu lassen.

Auch will die EU-Kommission erreichen, dass die Flüssiggasterminals im Mittelmeerraum besser genutzt werden. Die Vorbehalte gegen russisches Gas sind immens – man befürchtet eine zu große Abhängigkeit.

Pipeline sorgt für Diskussionen

Es gibt jedoch auch Befürworter, allen voran die deutschen Energiekonzerne. Laut dem Handelsblatt erhielten diese am Montag neue Argumente geliefert: „EWI Energy Research & Scenarios“, eine Tochter des Energiewirtschaftlichen Instituts der Uni Köln (EWI), stellte in London eine Studie über die Optionen der Europäischen Union für die Gasversorgung in den kommenden beiden Jahrzehnten vor.

Das Ergebnis: „Die Angst vor einer wachsenden Abhängigkeit von russischem Erdgas durch Nord Stream 2 ist nach unserer Überzeugung unbegründet.“

Flüssiggas als neue Alternative

Weiter heisst es: „Wir gehen von erheblichen Veränderungen auf dem Erdgasmarkt innerhalb der nächsten zwanzig Jahre aus“, sagte Harald Hecking vom EWI. So werde verflüssigtes Erdgas (LNG) erheblich an Bedeutung gewinnen. „Sollte Russland als Gaslieferant tatsächlich an der Preisschraube drehen, würde das den Anreiz für Flüssiggas-Importe erheblich erhöhen“, erklärte Hecking weiter.

Auch löse Nord Stream 2 einen Ausbau der Pipeline-Infrastruktur in Deutschland und angrenzenden Ländern aus. Diese würden dann auch anderen Gaslieferanten zur Verfügung stehen.

Ukraine will unabhängig werden

Russland könnte also eventuell seinen Willen bekommen und die Nord Stream 2 realisieren. Bereits jetzt hat die EU einer deutlichen Steigerung der russischen Gasimporte durch die vorhandene Nord Stream zugestimmt. Zudem wurde vor Tagen der Auftrag zum Bau der Turkish Stream vergeben. Mit der Pipeline soll ab dem Jahr 2019 eine neue südliche Route in Betrieb gehen.

Für die Ukraine sind das keine guten Neuigkeiten: Die Einnahmen aus dem Gastransit könnten in drei Jahren wegfallen. Die Forderung von Premierminister Volodymyr Groysman, die eigene Gasförderungen binnen weniger Jahren eklatant zu steigern, sollte daher wohl zeitnah umgesetzt werden.

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