Ukrainische Landwirtschaft am Scheidepunkt

Ukrainische Landwirtschaft am Scheidepunkt

Agrarwirtschaft und Infrastruktur der Ukraine brauchen dringend Investoren.

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Agrarwirtschaft braucht Investitionen

Die Landwirtschaft der Ukraine befindet sich an einem Scheidepunkt: Bleiben Investitionen aus, wird die Profitabilität weiter sinken und dem Wirtschaftsmotor des Landes empfindlich schaden. Regierung und Banken geben kaum Gelder, Investoren aus dem Ausland scheuen die Risiken in dem krisengeschüttelten Land.

Der ukrainischen Landwirtschaft geht es gut: Kaum ein Monat vergeht ohne neue Rekordzahlen in Sachen Export und Produktion. Dennoch steigen die Gewinne im Jahresvergleich kaum. Verantwortlich dafür sind hohe Transportkosten und der Wettbewerb auf dem Weltmarkt. Rekordmeldungen sind somit relativ wertlos, wenn die Profitabilität davon nicht profitiert.

Das tut er nicht, ganz im Gegenteil: Die Infrastruktur des Landes bremst massiv den Aufschwung der Agrarwirtschaft. Die Straßenverhältnisse sind miserabel, zudem gilt Ukrsalisnyzja, das staatliche Bahnunternehmen, als völlig heruntergewirtschaftet und kann daher nicht ausreichend Güterwaggons zur Verfügung stellen.

Landwirtschaft der Ukraine braucht Investitionen

Der Leiter des ukrainischen Beratungsunternehmens UkrAgroConsult, Sergey Feofilov, bescheinigt der Landwirtschaft in einem Land dennoch ein großes Potential. Herausforderungen sieht er aber auch. Die ukrainischen Agrarwirtschaft würde sich derzeit zu einem kapitalintensiven Wirtschaftsbereich wandeln. Weitere Steigerungen der Produktion werden künftig nur durch den Einsatz moderner, teurer Maschinen möglich sein.

Derzeit kämen größtenteils Agrarmaschinen aus Zeiten der UDSSR zum Einsatz, die bereits seit Jahren hätten ersetzt werden müssen. Der Bankensektor der Ukraine erholt sich jedoch nur langsam von der Krise der Jahre 2015 und 2016 und bietet daher keine attraktiven Kreditmöglichkeiten.

Ausländische Investoren mit nur wenig Interesse

Investoren aus dem Ausland haben laut Feofilov nur ein geringes Interesse an der ukrainischen Agrarwirtschaft. Die Angst vor Risiken in dem politisch instabilen Land ist noch zu groß. Die Regierung des Landes wiederum investiert nur geringe Finanzmittel. Auch die angekündigte Steuerung der Subventionen sei viel zu gering.

Derzeit investieren daher nur die Agrarbetriebe in die Landwirtschaft, was aufgrund der sinkenden Profitabilität enorme Risiken birgt. Sergey Feofilov nennt in seiner Analyse jedoch auch Auswege aus der Misere: Da die Preise für Rohmaterial wie Getreide gering seien, müsse man in die Lebensmittel- und Verpackungsindustrie des Landes investieren und eigene Marken schaffen.

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