Wachhunde in der Ukraine – ein Bericht

Wachhunde in der Ukraine – ein Bericht

Ukrainer sind verrückt nach Hunden - das steht fest. Eine Geschichte des Herausgebers.

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Ukraine Nachrichten Hund
Wachhunde in der Ukraine sind etwas anders

Ukrainer sind verrückt nach Hunden – das steht fest. Und mit dem Zentralasiatischen Owtscharka gibt es in dem Land eine Hunderasse, die in Deutschland nahezu unbekannt ist. Eine Begegnung der eher ungewöhnlichen Art, erzählt von Herausgeber Boris Raczynski. Vom Spitz bis zum Schäferhund gibt es in der Ukraine eigentlich alle Hunderassen, die ein Hundefreund begehren kann.

Überdurchschnittlich häufig trifft man in Metropolen wie Kiew, Lwiw und Odessa auch auf Huskys, Samojedes und Westsibirische Laikas. Klug müssen sie sein, überwältigend aussehen und natürlich – da sind sich alle Hundefreunde in der Ukraine einig – die Rute stolz nach oben recken.

Die Wachhunde in der Ukraine

Davon abgesehen gleich die Hundekultur durchaus der in Deutschland. Die treuen Vierbeiner werden geliebt, verwöhnt und haben ihren festen Platz in der Familie. Ein Unterschied fällt allerdings in Auge: Schäferhunde zum Beispiel haben einen gerade Rücken, die entsetzlichen Hüftprobleme wie bei deutschen Artgenossen treten daher selten auf.

Kurzum, in der Ukraine gibt es zwar eine engagierte Hundezucht, die Tiere werden dabei aber nicht auf Sofa-Kompabilität, sondern auf Optik und Kraft gezüchtet. Die Hunde sind ursprünglicher und teilweise wesentlich muskulöser als in Deutschland.

Zentralasiatischer Owtscharka

Eine Hunderasse jedoch genießt in dem Land einen nahezu legendären Ruf: der Zentralasiatische Owtscharka. Der Herdenschutzhund stammt ursprünglich aus den zentralasiatischen Republiken Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan, Afghanistan, Turkmenistan und der Mongolei.

Das Tier stellt in puncto Erscheinungsbild so ziemlich alles in den Schatten, was der deutsche Hundefreund noch als „Hund“ durchgehen lassen würde. Besonders große Vertreter werden Alabai genannt und zwingen einen Bernhardiner, zu ihnen aufzublicken.

Tiermarkt in der Moldawanka

Um einen solchen Hund soll es in dieser kleinen Geschichte gehen. Diese hat sich auf dem Flohmarkt in der Moldawanka, Odessa, zugetragen, und hat dem Erzähler nachdrücklich demonstriert, dass man in der Ukraine gewisse Hunde ernst nehmen sollte.

Dabei fing eigentlich alles ganz beschaulich an: Sonntags den Flohmarkt zu besuchen, ist ein fester Bestandteil der Wochenplanung. Auf besagten Markt gibt es auch einen Tiermarkt, auf dem Züchter und Privatpersonen, Welpen verkaufen. Erstgenannte mit Stammbaum und Papieren, was einen Kauf durchaus interessant macht.

Elterntiere beweisen Zuchtqualität

Auch haben die Züchter nahezu immer die Elterntiere dabei, sodass sich Kaufwillige einen recht konkreten Eindruck darüber verschaffen können, wie das Jungtier wohl noch einigen Jahren aussehen wird. Die Eltern passen allerdings auch auf ihren Nachwuchs auf – wie der Erzähler feststellen musste.

Eines Tages sah er dort nämlich einen kleinen, weißen Bären. Ganz bestimmt, es muss sich um einen Bären gehandelt haben, denn anders wäre Gestalt und Größe nicht zu erklären gewesen. Dachte er, der Unwissende. Zudem hatte das Fellknäuel eine strahlend weiße Farbe. Ein Eisbär?

Wehe dem Eisbären – und dem Papa

Geschaut und verliebt, gleich mal einige Schritte zu dem Tierchen machen, um dieses genauer in Augenschein nehmen zu können. Ein guter Plan, der allerdings vereitelt wurde. Denn just in dem Augenblick, als sich die Hand in das Fell des Kleinen graben wollte, setzte sich der Geländewagen neben diesem sprichwörtlich in Bewegung.

Der Landrover bebte, gab entsetzliche Geräusche von sich und war drauf und drang seine Scheiben zu verlieren. Also wieder einige Schritte zurück, Schweiß auf der Stirn und inzwischen felsenfest davon überzeugt, es mit einem Babybären plus Mama zu tun zu haben.

Wachhund und Herdenschutzhund

Dem war nicht so. Der freundliche Hundebesitzer schaute lachend um die Ecke und konnte seine Freunde kaum im Zaum halten. „Toller Hund, oder?“ Hund, so kann man das auch nennen. Bei dem Baby handelte es sich um einen schneeweißen Alabai, bei dem Bären im Auto um dessen Vater.

105 Kilo würde der auf de Waage bringen, erzählte der Züchter. Ob Interesse am Kauf bestehe? Eher nicht, aber ein Foto wäre prima. Das wurde erlaubt, und von einer wahren Flut von Informationen über die Rasse begleitet.

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Ein Alabai in voller Pracht

Der Hund in der Stadt? Auf keinen Fall. In der Ukraine finden sich Alabais auf dem Land, in Datschas und auf großen Grundstücken mit Einfamilienhäusern. Auch das Militär würde die Hunde vereinzelt einsetzen, um weitläufige Gelände zu schützen. Eindringlinge würden das zwar betreten können – mit dem Verlassen sei es aber eine ganz andere Sache.

Ist halt auch nicht einfach, mit einem schlecht gelaunten Koloss auf dem Brustkorb stehend. Im Allgemeinen habe die Rasse jedoch ein ruhiges Temperament. Gelassen sei er, nahezu entspannt, solange niemand sein Gebiet betritt oder seine Herde angreift. Nach 15 Minuten war die Begegnung vorbei – und doch, einen solchen Hund vergisst man nicht.

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