Wenn Kohle zur Propaganda wird

Wenn Kohle zur Propaganda wird

Die Ukraine kauft US-Kohle - ein gefundenes Fressen für die russische Propaganda.

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Ukraine Nachrichten Kohle Import USA
Ukraine kauft Kohle in den USA

Die Ukraine muss aufgrund Krieg, Misswirtschaft und Blockade Steinkohle aus den USA importieren. Das staatliche Energieunternehmen Centrenergo kauft daher bis zum Jahresende 700.000 Tonnen Kohle von dem US-Lieferanten Xcoal Energy & Resources, teilte Centrenergo-CEO Oleh Kozemko auf einer Pressekonferenz der US-Botschaft in der ukrainischen Hauptstadt Kiew mit.

Die Zusammenarbeit sei durch Gespräche der beiden Präsidenten Donald Trump und Petro Poroschenko zustandekommen, erklärte Kozemko weiter.

Die Ukraine kauft Kohle in den USA

Die erste Lieferung soll im September im südukrainischen Hafen Odessa ankommen – und wird für das krisengeschüttelte Land ein ziemlich teurer Handel werden: 113 US-Dollar pro Tonne Steinkohle müssen bezahlt werden.

Bereits im Vorjahr musste das osteuropäische Land Kohle in den USA kaufen, dafür aber nur 78 US-Dollar pro Tonne bezahlen. Eine Preissteigerung von 35 US-Dollar binnen eines Jahres ist viel Geld – und ein gefundenes Fressen für die Propaganda Russlands.

Russlands Propaganda und Fake News

Das russische Nachrichtenportal RT Deutsch erhöht den offiziellen Preis gegenüber seinen Lesern tollkühn auf 231 US-Dollar und bezieht sich dabei auf „Kreise der US-Wirtschaft“. Nachprüfbar sind diese Angaben aufgrund fehlender Quellenangaben allerdings nicht.

Dabei wird es sich also aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Falschmeldung, auch als Fake News bezeichnet, handeln. Trotzdem, auch 113 US-Dollar pro Tonne Energieträger sind eine Menge Geld für die Ukraine, zumal die Probleme in der Energieversorgung teilweise selbst verursacht wurden.

Hausgemachte Probleme der Ukraine

Mit einem Anteil von 35,8 Prozent am Energiemix war Kohle noch im Jahr 2013 der wichtigste Primärenergieträger des Landes – noch vor Erdgas mit 34,1 Prozent und Atomkraft mit 18,9 Prozent.

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Arbeiter in einer ukrainischen Kohlemine – Foto: UNIAN

Genutzt wurde die Kohle vor allem zur Stromerzeugung, in der metallurgischen Industrie und zur Wärmeversorgung. Nach verschiedenen Statistiken lag der Gesamtverbrauch an Kohle in der Ukraine im Jahr 2012 zwischen 61 und 74 Millionen Tonnen, bei (Netto-)Importen in Höhe von neun Millionen Tonnen.

Keine Investitionen in Kohleabbau

Investitionen in die Kohleförderung blieben allerdings über Jahrzehnte aus. Entsprechend sank die Wirtschaftlichkeit kontinuierlich, bis der Krieg im Osten binnen kurzer Zeit den Steinkohleabbau nahezu gänzlich zum Erliegen brachte.

In den wenigen durch Krieg und Wassereinbruch nicht zerstörten Minen wurde zwar noch Kohle abgebaut, befand sich jedoch in den Händen der pro-russischen Separatisten. Diese verkauften die Kohle an die Ukraine, ein nicht unbedeutender Teil wurde auch über die Konfliktlinie geschmuggelt, was im letzten Winter durch die Blockade von Aktivisten gestoppt wurde.

Aktivisten stoppen die „Blutkohle“

Von „Blutkohle“ war die Rede, und die Empörung in Teilen der Bevölkerung groß. Die Regierung in Kiew ist auf die Unterstützung von Aktivisten und Kriegsveteranen angewiesen und wusste sich aufgrund der teilweise anarchischen Zustände im Land nicht anders zu helfen, als durch Präsident Petro Poroschenko eine Wirtschaftsblockade inklusive Sanktionen gegenüber den abtrünnigen „Volksrepubliken“ auszurufen.

Politisch nachvollziehbar, wirtschaftliche eine Katastrophe. Nun soll es also Kohle aus den USA richten – was Ängste schürt.

Keine Erhöhung der Strompreise

Die Strompreise für private Haushalte wurden aufgrund Drängen von IWF und Weltbank in den letzten Jahren permanent erhöht. Noch im Frühsommer hatte die Regierung in Kiew erklärt, dass die Preissteigerungen bald ein Ende haben würden, da die Energiekonzerne nun Profite erzielen würden. Die US-Kohle kostet jedoch das Doppelte im Vergleich zu Kohle aus dem Donbass.

Die ukrainische Bevölkerung macht sich daher Sorgen, dass weitere Preissteigerungen folgen könnten. Die stellvertretende Ministerin für Energie und Europäische Integration Natalia Boiko versuchte am Freitag laut UNIAN die Wogen zu glätten und versicherte in einer Erklärung, dass keine weitere Anhebungen der Strompreise geplant sei.

Lesetipp der Redaktion: Kohleindustrie in der Ukraine

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