Wenn Worte neue Ängste schüren

Wenn Worte neue Ängste schüren

Separatistenführer Alexander Sachartschenko ruft Staat "Kleinrussland" aus.

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Ukraine Nachrichten Alexander Sachartschenko
Alexander Sachartschenko sorgte für eine Überraschung

Separatistenführer Alexander Sachartschenko hat unlängst einen neuen Staat Namens „Kleinrussland“ ausgerufen. Sinn und Zweck der Übung sind unklar, das darauf folgende Wortgefecht gibt allerdings Anlass zur Sorge.

Vielleicht wollte sich Sachartschenko nur selbst in Erringung rufen, vielleicht wurde ihm die Idee auch von einer Stimme aus Moskau ins Ohr geflüstert – Auswirkungen auf das Minsker Abkommen und die Situation an der Kontaktlinie zwischen der ukrainischen Armee und den aus Russland unterstützten Separatisten hat der Alleingang dennoch.

Separatistenführer ruft „Kleinrussland“ aus

Die selbsternannten Volksrepubliken im Osten der Ukraine waren in den letzten Wochen und Monaten aufgrund zahlloser von beiden Seiten gebrochener Waffenstillstände nahezu in Vergessenheit geraten. Das hat Sachartschenko mit einem Schlag geändert.

Eine harsche Antwort aus Kiew folgte prompt. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sagte, die Ukraine werde „die Souveränität über den Donbass und die Krim wieder herstellen.“ Wie das genau erfolgen soll, erklärte Poroschenko nicht. Alexander Sachartschenko sei keine politische Figur, sondern eine Marionette Moskaus.

Überraschung bei allen Beteiligten

Der Plan „Kleinrussland“ schien indes nicht gut vorbereitet. Der Anführer der Pseudo-Republik Luhansk, Igor Plotnizki, wurde offenbar von den Ankündigungen völlig überrascht. Ein Sprecher des Kreml hatte diese in Einstimmigkeit mit Berlin und Washington umgehend vom Tisch gefegt.

Der Plan der Gründung eines neuen Staates widerspreche den Vereinbarungen, die die Staats- und Regierungschefs im Februar 2015 im weißrussischen Minsk getroffen haben, erklärte der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Konstantin Kossatschow.

„Malorossija“ findet durchaus Gefallen

Ukraine Nachrichten Krieg Donbass Russland
Kampfpanzer in der Nähe der Konfliktlinie – Foto: UNIAN

Minsk ist also weiterhin der Plan, an dem die entscheidenden Akteure in Moskau, Berlin, Paris und Washington festhalten. Die Auslegung erscheint jedoch unterschiedlich. Mitte der Woche wurden allerdings auch andere Töne aus dem Kreml kolportiert. Der zuständige Berater des Präsidenten, Wladislaw Surkow, soll laut der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti der Idee von „Malorossija“ durchaus etwas abgewinnen können.

Surkow gilt als der Mann in Moskau mit den besten Kontakten zu den prorussischen Separatisten in der Ostukraine. Diese kämpfen seiner Meinung nach nicht für die „Abtrennung von der Ukraine, sondern für ihre Erhaltung als Ganzes“.

Aus Krieg wird wieder „Bürgerkrieg“

Diese Aussage schürt Ängste in Kiew, soll doch Separatistenführer Sachartschenko erklärt haben, dass die „Rest-Ukraine“ den Volksrepubliken betreten könne. Einen umgekehrten Fall werde es nicht geben. Der Kreml hat sich bisher stets für die territoriale Integrität der Ukraine ausgesprochen.

Mit der aktuellen Entwicklung wäre die Leseart Moskaus aus dem Sommer 2014 zurück, nach der in der Ukraine ein „Bürgerkrieg“ herrsche. Das Modell „Kleinrussland“ böte die Möglichkeit, daran festzuhalten und gleichzeitig Kiew unter Druck zu setzen. Eine Lösung, die vermutlich Tausende von Toten mit sich bringen würde.

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